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Die Wurzeln der modernen Studentenverbindungen reichen bis ins Mittelalter zurück. Viele Universitäten des Mittelalters waren nicht nach Studienfächern gegliedert, sondern nach den Herkunftsländern der Studenten. Die Universitäten mieteten Häuser, in denen die Professoren gemeinsam mit den Studenten lebten und die Vorlesungen abhielten. Diese Häuser hießen „Bursen“ nach der in ihnen üblichen gemeinsamen Kasse, lateinisch „bursa“. Aus diesem Wort ist der Begriff „Bursche“ abgeleitet, der noch heute einen Verbindungsstudenten bezeichnet.
Im Zuge der Reformation wurde der Zwang, in Bursen zu leben, gelockert. Im 17. Und 18. Jahrhundert schlossen sich die Studenten selbständig zu Landsmannschaften zusammen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden unter dem Einfluss der Aufklärung studentische Orden, die sich nicht mehr an der geografischen Herkunft orientierten und im Gegensatz zu den damaligen Landsmannschaften ein Freundeskreis auf Lebenszeit sein wollten.
Die ersten Corps wurden nach 1800 gegründet. Von den Orden übernahmen sie das Prinzip des Lebensbundes, von den Landsmannschaften zunächst die gemeinsame landsmannschaftliche Herkunft. So erklären sich Namen wie Corps Bavaria, Corps Rhenania, Corps Saxonia. Aus den verschiedenen Abzeichen der Orden und Landsmannschaften entwickelten sich das noch heute übliche farbige Brustband und die Studentenmütze. Das Jahrhunderte alte Fechten wurde zum studentischen Fechten, der Mensur, fortentwickelt und verbindlichen Regeln unterworfen.
Die Corps waren von Beginn an demokratisch aufgebaut. Auf dem Konvent, der Versammlung der Mitglieder, wurden Entscheidungen mit Mehrheit getroffen. Der Senior, der das Corps leitete und nach außen hin vertrat, wurde vom Konvent für ein Semester gewählt.
Mit den Freiheitskriegen gegen Napoleon wuchs in Deutschland die nationale Begeisterung. 1815 wurde die Urburschenschaft gegründet, die die Studenten im Kampf für die Einheit Deutschlands zusammenführen wollte. Die Corps wollten sich nicht einer einheitlichen politischen Linie anschließen. Trotzdem traf das Verbot der Burschenschaften in den Karlsbader Beschlüssen von 1819 auch die Corps.
1848 hob der Deutsche Bundestag in der Frankfurter Paulskirche die Karlsbader Beschlüsse auf. Die Corps erlebten einen starken Aufschwung und erfuhren breite gesellschaftliche Anerkennung. Ihre weltanschauliche Offenheit und geistige Liberalität zog viele bedeutende, ganz unterschiedliche Persönlichkeiten an: Robert Schumann und Bischoff von Ketteler, Gustav Freytag und Ludwig Thoma, Karl Marx und Otto Fürst von Bismarck, Gottlieb Daimler und Wilhelm von Opel waren Corpsstudenten.
Dem republikanischen Staat nach 1919 standen die Corpsstudenten loyal gegenüber. In der Weimarer Republik hatten die Corps den stärksten Zulauf seit ihrer Gründung. Mit den Ideen der Nationalsozialisten vom Führerstaat war das demokratische Selbstverständnis der Corps nicht vereinbar. Sie wurden 1935 zwangsweise aufgelöst und konnten sich erst nach 1945 schrittweise neu gründen.
Heute gehören die Corps wieder zum Bild an den deutschen und österreichischen Hochschulen. Ihre traditionellen Prinzipien wie demokratischer Aufbau, Toleranz, Weltoffenheit und Ehrenhaftigkeit gelten nach wie vor und sind so zukunftsweisend wie vor 200 Jahren. Als äußere Merkmale ihrer bewährten Tradition haben die Corps das Tragen von Band und Mütze sowie die Mensur beibehalten.
Die Corps sehen auch heute ihre wichtigste Aufgabe darin, den einzelnen Corpsbruder bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit in einer entscheidenden Lebensphase zu fördern und ihm für sein Leben die richtigen Werkzeuge an die Hand zu geben. Ihre Idee eines engen Freundschaftsbundes auf Lebenszeit bewährt sich gerade an Hochschulen, die gleichzeitig von Vermassung und Isolierung des Einzelnen geprägt sind.
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